Die Feier der Busse

 

 

„Nun ist aber heute in der Kirche der Empfang des Bußsakramentes, den viele als die einzige Form der Buße betrachten, in eine tiefe Krise geraten",

so heißt es in dem Beschluss „Sakramentenpastoral" der Synode der Bistümer in der BRD, der schon 1976 in Buchform erschienen ist. Diese Aussage hat seither nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Die Gründe sind sicher vielfältig und mögen auch damit zusammenhängen, dass wir heute viel mehr als früher die persönliche Schuldfähigkeit durch Umwelteinflüsse, Erziehung und Erbanlagen eingeschränkt sehen. Hinzu mag kommen, dass sich unsere Wertmaßstäbe im Laufe der Zeit geändert haben.

Die soziale Komponente gerät gegenüber dem individuellen Wohlbefinden offensichtlich immer mehr ins Hintertreffen. Dennoch bleibt Schuld, die jeder Mensch selbst zu verantworten hat, die in seiner persönlichen Freiheit liegt. Es gehört zum reifen Menschsein und Christsein, diese Schuld nicht zu verdrängen, sondern sie einzugestehen und, wo möglich, zu versuchen, Schuld gegenüber anderen Menschen wiedergutzumachen.

"In Jesus Christus... ist der Mensch unwiderruflich von Gott geliebt und zu der Antwort der Gottes- und Nächstenliebe gerufen. Von daher ist uns auch der Maßstab gegeben - als einzelne und als Gemeinschaft-, unsere Schuld vor Gott zu erkennen, und wir sehen zugleich, dass der Weg zur Umkehr uns vor allem eigenen Bemühen bereits eröffnet ist".

 

Diese Liebe Gottes, verbunden mit der Vergebung aller Schuld, wurde dem Menschen zuerst in der Taufe geschenkt. Wenn wir gegenüber Gott und den Mitmenschen lieblos sind und Schuld auf uns laden, treffen wir damit auch immer die Gemeinschaft der Christen, Die innere Haltung der Umkehr sollte deshalb auch im Leben des einzelnen und der Gemeinschaft ihren Ausdruck finden. Da der Empfang des Bußsakramentes heute offensichtlich für viele Christen mit großen Schwierigkeiten verbunden ist oder sie gleichgültig lässt, sollten - zumindest für erstere - neue Zugänge zur Buße gefunden bzw. durchsichtiger gemacht werden. Zunächst wäre es wichtig, deutlicher zu machen, dass Buße und Umkehr nicht zuerst Last bedeuten müssen, sondern auch eine Chance, ein Angebot, das Gott den Menschen schenkt. Wer erfährt wirklich die Buße als eine Feier? Zwar versucht man, den Kindern, die auch heute noch in vielen Gemeinden meist gleichzeitig mit der Vorbereitung zur Erstkommunion auch zur Erstbeichte hingeführt werden, die Angst davor zu nehmen, jedoch offensichtlich mit wenig Erfolg, wie man fast überall feststellen kann. Sie können hier vielleicht dadurch ein wenig helfen, indem Sie den Kindern die Räumlichkeiten (Beichtstuhl, Beichtzimmer) zeigen und so eventuell ein wenig die Angst vor jenen leider immer noch häufig dunklen, kalten und miefigen Ecken und Räumen der Kirche nehmen.

 

Leider tragen diese oft vernachlässigten Räumlichkeiten wohl nicht nur bei Kindern und Jugendlichen zu einem „unguten Gefühl" bei. Die Instandhaltung und regelmäßige Reinigung dieser Räume sind auch deshalb wichtig.

 

Neben der Form der Einzelbeichte gibt es jedoch eine ganze Reihe anderer Formen der Buße und Sündenvergebung: Das Gebet, die Mitfeier der Eucharistie, Werke der Nächstenliebe, die Aussöhnung mit Menschen, mit denen wir in Streit leben oder gegenüber denen wir schuldig geworden sind, können solche Zeichen unserer Reue sein.

Daneben kennt die Kirche auch verschiedene liturgische Formen der Sündenvergebung. Zunächst ist dies die Taufe, die neben ihrer Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen gleichzeitig sündenvergebenden Charakter hat. Hierzu gehört aber auch das Schuldbekenntnis, das wir während jeder Eucharistiefeier sprechen:

„Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und allen Brüdern und Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe ...".

und ebenso die Bußgottesdienste, die heute fast in jeder Gemeinde wenigstens in der Adventszeit und Fastenzeit ihren festen Platz haben.

Hierher gehört natürlich auch das Bußsakrament, das wir meist mit der Einzelbeichte gleichsetzen. Die neue Ordnung des Bußsakraments, wie sie seit 1975 im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil erarbeitet wurde, kennt jedoch drei Formen des Sakraments: das Sakrament der Wiederversöhnung einzelner (Einzelbeichte); Das Sakrament der Wiederversöhnung einzelner im gemeinsamen Gottesdienst (für kleinere Gruppen geeignet), als ordentliche Formen, und - als außerordentliche Form - das Sakrament der Wiederversöhnung mit gemeinsamem Bekenntnis und allgemeiner Lossprechung (etwa bei Lebensgefahr, in einer extremen Diasporasituation o.a.).